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Königreiche
Die Unterteilung der Mittel in die verschiedenen Reiche ist ein Hilfsmittel, um die Arzneien zu klassifizieren und die für ein Reich oder Unterreich eigentümlichen Symptome herauszuarbeiten. Das führt zu einem tieferen Verständnis der Heilmittel. Denn die vom Patienten erhaltenen Hinweise führen direkt zu dem entsprechenden Reich, was die Arbeit sehr erleichtert. Homöopathische Mittel können entsprechend ihrer Herkunft folgendermassen eingeteilt werden:
- Mittel aus dem Mineralienreich
- Mittel aus dem Pflanzenreich
- Mittel aus dem Tierreich
- Nosoden, Sarkoden und sonstige Mittel
Dem Denken in Naturreichen liegt folgende Erfahrung zugrunde:
Wenn wir die innere Verfassung eines Menschen bis in die Tiefe (Ebene der Empfindung) erforschen, finden wir dort ein Muster vor, ein anderes Lied, das einer Substanz aus einem der drei Naturreiche entspricht. Ein Mensch hat immer nur ein einziges anderes Lied, und folglich können nicht alle drei Naturreiche gleichzeitig in ihm vertreten sein.
Mineralienreich
(Auszüge aus Dr. Rajan Sankarans Buch, Die Substanz der Homöopathie, Seiten 339-343)
Die Hauptkennzeichen des Mineralienreichs sind Struktur und Organisation. Diese Eigenschaften helfen Wissenschaftern, dieses Reich sehr gut zu verstehen, erlauben eine genaue Klassifizierung ihrer Elemente in einem Periodensystem, erlauben es, Gesetze aufzustellen usw. Die klare Strukturiertheit der Mineralien macht die Chemie zu einer exakten Wissenschaft.
Wir sehen diese Kennzeichen der Struktur und Organisation bei Menschen, die ein Mittel aus dem Mineralienreich brauchen. Der erste Eindruck, den diese Menschen häufig erwecken, ist, sehr gut organisiert zu sein. Ihre Kleidung ist häufig sehr charakteristisch: symmetrische Muster, Streifen, Karo oder uni. Sie beschreiben ihre Beschwerden auf sehr systematische Weise, beginnen häufig beim letzten Folgegespräch und listen dann die Entwicklung der Beschwerden chronologisch auf. Sie berichten präzise und bleiben beim Thema. Alle diese Ausdrucksformen entstehen aus einem bestimmten Denken – einem strukturierten Gedankenprozess.
Der mineralische Mensch empfindet das Problem als etwas, das ihm fehlt oder verloren geht (Struktur, Organisation) oder als ein Unvermögen, irgendetwas Bestimmtes zu tun. Er erlebt es als etwas, das bei ihm selber liegt.
Die Mittel des Mineralienreichs haben eine sehr tiefgreifende Wirkung. Sie können jedem Miasma angehören, vom akuten bis zum syphilitischen.
Pflanzenreich
Die grundlegende Eigenschaft einer Pflanze ist Empfindsamkeit. Die Pflanze ist ein lebender Organismus, im Boden verwurzelt und zur Fortbewegung unfähig. Um zu überleben, muss sie auf die Änderungen in der Umgebung sehr empfindsam reagieren und sich diesen anpassen können, da sie sich nicht wegbewegen kann. Dies sind auch die Kennzeichen der Patienten, die ein Mittel aus dem Pflanzenreich brauchen. Sie sind sehr empfindsam, durch viele Dinge berührbar und bemühen sich, sich anzupassen/anzugleichen. In ihrer Kleiderwahl ist diese Empfindsamkeit ebenso ausgedrückt. Sie bevorzugen Blumenmuster, unregelmäßige Muster, die an das ästhetische Empfinden appellieren. Das gleiche trifft auf ihre Sprache zu. Sie berichten sehr unstrukturiert über ihre Beschwerden, reden dazwischen über die Beschwerden anderer und beschreiben ihre eigenen nur unvollständig und vollkommen unsystematisch. Durch ihr starkes Empfindungsvermögen beschreiben sie die meisten Dinge sehr intensiv und deutlich. Die Beschwerden setzen in der Regel schnell ein, ändern sich schnell und zeigen viele Modalitäten, die in Verbindung zu dieser Empfindsamkeit stehen. Die auslösende Ursache ist in der Regel ein körperliches oder emotionales Schockerlebnis, Überanstrengung oder Verletzung. Die Formulierungen, die sie häufig benutzen, sind „ich bin davon betroffen/empfindlich auf", „das verletzt mich“, „ich kann nicht ertragen“, „das berührt mich“. Diese Formulierungen weisen auf sehr empfindsame, weiche und emotionale Menschen hin. Ihre Gefühle sind ihnen sehr wichtig und es besteht eine große Angst, verletzt zu werden. Sie haben trotz dieser Empfindsamkeit und Anpassungsfähigkeit häufig Schwierigkeiten, Kontakte zu anderen Menschen herzustellen. Sie sind sehr schnell beeinträchtigt und unterliegen häufig schnellen Stimmungswandlungen. Mittel aus dem Pflanzenreich gehören dem akuten bis sykotischen Miasma an. Ausnahmen sind Drosera (tuberkulinisch) und Anacardium (syko-syphilitisch).
Das Problem dieser Menschen liegt in ihrer Sensibilität oder Empfindlichkeit, und in ihrer hohen Reaktionsbereitschaft auf etwas Äusseres.
Tierreich
Konkurrenz ist die Regel im Tierreich. Der Kampf ums Überleben des Fähigsten gilt für alle Lebewesen, seien es Algen, Pilze, Pflanzen usw., ist aber im Tierreich am stärksten ausgeprägt. Ein Mensch, der ein Tiermittel braucht, zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich, durch Kleidung oder Verhalten usw. Dieses Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu erlangen – anziehend zu sein – ist ein wichtiger Aspekt des Konkurrenzverhaltens. Die Kleidung dieser Menschen erregt Aufmerksamkeit durch ihre Farbe, ihr Design oder die Art, in der sie sie tragen. Sie versuchen, durch ihr Verhalten Aufmerksamkeit zu erwecken. Sie sind sehr lebendig und lebhaft – voller Leben. Sie sind sehr wachsam, halten intensiven Augenkontakt, suchen nach einer Reaktion und reagieren selbst schnell. Sie sind sehr ausdrucksstark und mitteilsam, scheinen eine außergewöhnliche Fähigkeit zu haben, Kontakt mit anderen Menschen aufzubauen. Sie haben ein starkes Verlangen nach Gesellschaft und fühlen sich beim Alleinsein in der Regel schlechter. Sie können sehr eifersüchtig auf ihre Konkurrenten sein und greifen unter Umständen zu allen Mitteln, einschließlich Betrug, um zu ihren Zielen zu gelangen. Sie können sehr böswillig sein. Verständlicherweise haben sie Angst davor, vernachlässigt, verachtet zu werden, in Wettbewerbssituationen/der Liebe zu versagen und ihre Attraktivität zu verlieren. Jeder dieser Faktoren, wie Zurückweisung oder Versagen in Konkurrenzsituationen, kann zum Auslöser von Beschwerden werden. Sie kommen in der Regel mit Beschwerden, durch die sie sich weniger anziehend oder weniger konkurrenzfähig fühlen, wie Pickel, Übergewicht, Haarausfall usw.
Dieses starke Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu wecken, scheint seine Grundlage in einem gespaltenen Ich zu haben. Bei den Mineralien haben wir gesehen, dass die Beschwerden/Reaktionen auf einen oder zwei Bereiche beschränkt sind. Bei Pflanzen sind die Probleme durch ihre Empfindsamkeit breiter gefächert, sie reagieren auf viele verschiedene Beeinträchtigungen. Bei den Tiermitteln scheinen zwei verschiedene, voneinander abgegrenzte Einheiten in einem Menschen nebeneinander zu bestehen. Der menschliche Anteil scheint darüber hinaus eine Verachtung für den instinktiven Anteil zu haben. Diese Spaltung ist bei den meisten Patienten sichtbar, deren Befinden sich nach einem tierischen Mittel besserte. Wenn wir diese Spaltung verstanden haben, werden auch ihre beiden Seiten verständlich: Zuneigung, Wärme, Sorge, Spielfreude, Treue, Gesprächigkeit einerseits, andererseits Eifersucht, Aggressivität, Betrug und Bösartigkeit. Vor allem die Aggression ist ein markantes Merkmal. Sie haben Angst davor, angegriffen zu werden und reagieren schnell mit Aggression.
Sie sind dem akuten bis syko-syphilitischen Miasma zuzuordnen.
Nosoden
Die Indikation der Nosoden liegt im Prozess, weniger in einem bestimmten Lebensbereich. Jemand sagt zum Beispiel: „Ich möchte unbedingt Klassenbester sein“. Die Betonung könnte hier darauf liegen, der Beste zu sein, was ein Ziel oder ein Thema in seinem Leben ist. Liegt die Betonung aber auf der Verzweiflung, so können wir diese in allen Lebensbereichen beobachten, dann kann alles, was er macht oder empfindet durch dieses Wort umschrieben werden. Seine Perspektive zum Leben und seine Reaktionen sind immer verzweifelt. Da ich keine besser geeignete Umschreibung dafür finde, habe ich dies als „Prozess“ im Gegensatz zum „Bereich“ beschrieben.
Besteht das ganze Leben nur noch aus Verzweiflung, ist das Mittel Syphilinum, liegt die Betonung hingegen eher auf einem Gefühl der Verzweiflung in einem bestimmten Lebensbereich oder wegen einer bestimmten Situation, so ist ein anderes antisyphilitisches Mittel angezeigt.
(Auszüge aus Dr. Rajan Sankarans Buch, Die Substanz der Homöopathie, Seiten 339-343)